Kulturraum (Berlin-Zehlendorf):
Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg über Dr. Fritz Bauer

Beginn: Fr., 10.02.2017, 20:00 Uhr

Den Text des Vortrags können Sie hier nachlesen, den Film können Sie sich hier anschauen.

Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg, Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg, wurde 1953 als Kind deutscher Aussiedler in Argentinien geboren. Die Familie kehrte 1954 nach Deutschland zurück. 1996 wurde er zum Generalstaatsanwalt des Bundeslandes Brandenburg berufen. Erardo C. Rautenberg hat sich mit dem Leben und Wirken Fritz Bauers intensiv auseinandergesetzt.

Fritz Bauer wurde 1903 in Stuttgart als Sohn jüdischer Eltern geboren, verstand sich jedoch als Atheisten. Er trat 1920 der SPD bei und gehörte zu den Gründern des Republikanischen Richterbundes in Württemberg. 1933 wurde Fritz Bauer von den Nationalsozialisten für acht Monate inhaftiert. Anschließend wurde er aus dem Staatsdienst entlassen.

1936 emigrierte Fritz Bauer nach Dänemark. Im Zweiten Weltkrieg – nach der Besetzung Dänemarks durch deutsche Truppen – wurde Fritz Bauer für drei Monate interniert. Als die Deportation dänischer Juden begann, floh Fritz Bauer nach Schweden. Mit Willy Brandt und anderen gründete er im schwedischen Exil die Zeitschrift „Sozialistische Tribüne“. 1949 kehrte Fritz Bauer nach Deutschland zurück. 1949 war Fritz Bauer Landgerichtsdirektor und danach – ab 1950 – Generalstaatsanwalt in Braunschweig. Im Remer-Prozess übernahm er die Anklage. Von 1956 bis 1968 bekleidete Fritz Bauer das Amt des hessischen Generalstaatsanwalts. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass ab Anfang der 1960er Jahre die Auschwitz-Prozesse stattfanden. 1961 gehörte Fritz Bauer zu den Gründern der Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union.

Bekannt wurde Fritz Bauer insbesondere im Zusammenhang mit der Entführung von Adolf Eichmann, dem Organisator des NS-Völkermords. Fritz Bauer hatte den israelischen Geheimdienst Mossad über den Wohnort Adolf Eichmanns in Argentinien informiert, weil er der deutschen Justiz und Polizei misstraute. Innerhalb der bundesdeutschen Justiz der Nachkriegszeit war Bauer wegen seines Engagements umstritten, hatten doch die meisten der damaligen Juristen zuvor in der Zeit der NS-Diktatur gedient. Er selbst soll einmal gesagt haben: „In der Justiz lebe ich wie im Exil.“

Fritz Bauer ist vor allem als „Nazi-Jäger“ in Erinnerung geblieben. Aber wer Fritz Bauer auf diese Rolle reduziert, wird seiner sensiblen Persönlichkeit nicht gerecht. Fritz Bauer war in erster Linie ein Menschenfreund, der bei aller Entschiedenheit, die NS-Täter vor Gericht zu stellen, den differenzierenden Blick bewahrte. Ein nachdenklicher Gesprächspartner, der auch dem Andersdenkenden und politischen Gegner mit Respekt begegnete.

Einlass 30 Minuten vorher.

Zum Schluss erwartet Sie ein Buffet. Die Speisen und Getränke sind im Eintrittspreis enthalten. Anmeldung erforderlich.

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